Klettern im Süden Frankreichs – Orpierre

Autor: Robert


Quiquillon SO-Seite
Quiquillon SO-Seite

Nachdem ich nun schon mehrere Male dort war und mich Frank schon des Öfteren um eine Gebietsvorstellung gebeten hat, möchte ich hier in Kürze das Klettergebiet Orpierre vorstellen.

Lage und Zufahrt:

Orpierre liegt ca. 130km südlich der Stadt Grenoble in der Region Provence-Alpes – Côte d`Azur. Mit dem Auto von Lyon auf der A48 kommend, passiert man Grenoble auf der A480, die dann zur A51 wird, immer Richtung Gap/Sisteron bis zum Autobahnende. Hier wechselt man auf die N75 und fährt nun ca. 90km auf dieser immer in Richtung Sisteron. Man überquert den Col de la Croix Haute und nachdem man Serres passiert hat, kommt man schon in Kürze nach Eyguians. Hier dem Straßenschild folgend nach rechts abbiegen und in wenigen Kilometern ans Ziel.
Von Grenoble aus sind die 130km kurvige Landstraße in ca. 2 Stunden gefahren.


Quiquillon W-Seite
Quiquillon W-Seite

Der Ort Orpierre:

Orpierre ist ein kleines, gemütliches Kletterdorf. Nachdem sich die Minen hier kein Gold mehr entlocken ließen, war der Ort fast ausgestorben. Allein durch ein paar wenige einheimische Kletterer, die den Klettersport durch das Erschließen der Felsen hierher brachten, ist der Ort nicht völlig ausgestorben und ist nun nicht nur für Kletterer ein beliebtes Urlaubsziel. Einen Spaziergang durch die engen Gässchen des Ortkerns kann man empfehlen.
 
 

Unterkunft:


Reibung am Adrech
Reibung am Adrech

Im Ort gibt es den Campingplatz Des Princes d`Orange, der immer vom 1.4. bis 30.10. des Jahres geöffnet ist. Kletterer bekommen auf diesem Platz einen Sondertarif für Kletterer (Anfang April 2006: 5,20/Nacht/Person) und können ihr Zelt im Klettercamp aufschlagen. Sollte man außerhalb dieser Zeit campen wollen, kann man auch auf die als Campingplatz ausgegebene Wiese eines Bauern ca. 4 km in Richtung Laborel ausweichen. Wiese deshalb, weil es mehr auch nicht ist. Auch die sanitären Anlagen sind eher spartanisch; der Preis allerdings (März 2005: ca. 3/Nacht/Person) angemessen.
Außerdem kann man sich in Orpierre auch in eine der vielen Gîtes einmieten. Infos dazu bekommt man in der Touristinformation. (Tel.: 0033(0)4 92 66 30 45 / mail: ot.orpierre@wanadoo.fr)

Verpflegung/Einkauf:


Reibung am Quatre Heures
Reibung am Quatre Heures

In Orpierre gibt es einen Bäcker, einen kleinen Lebensmittelladen, den Kletterladen Vertige Sport und die Bar Le Quartz. Dort kann man abends auch Pizza essen.
Für größere Einkäufe gibt es in Serres einen Supermarkt.

Kletterführer

Den benötigten Kletterführer Grimper dans les Hautes-Alpes Orpierre et les Pays du Buëch » gibt es in der Tourist-Information, im Vertige Sport und im Lebensmittelladen mittlerweile in der zweiten Auflage.

Im Kalk von Orpierre gibt es 7 Hauptsektoren:


    Chateau und Belleric
    Chateau und Belleric
  1. Chateau
    Hier gibt es mit dem Teilsektor Racines du ciel den perfekten Anfänger- und Einkletterbereich. Ca. 22, fast übersicherte, Routen von 4a bis 6b+, wobei der Großteil 5a bis 5c+ verlangt.
    Der Teilsektor Devers fordert den wahren Sportkletterer und lockt mit 46 Routen von 6a bis zur schwersten Tour des Gebiets Mission Impossible 8c. Der Großteil der Routen liegt im 7ten Franzosengrad.
    In den Teilsektoren Anticlinal und Cascade geht es mit 36 Routen zwischen 4a und 6b schon wieder ruhiger zu. 5a bis 5c muss man klettern um den Großteil der Routen bewältigen zu können.
  2. Belleric
    Der Sektor Belleric bietet ca. 33 Routen. Etwa zwei Drittel davon haben zwei oder sogar drei Seillängen. Vom 3a Spaziergang bis zu luftigen Längen im 6ten Franzosengrad wird hier schönste Kletterei geboten. Der Hauptanteil der Routen liegt zwischen 5a und 6b.
  3. Der Quiquillon
    Der Quiquillon, das höchste und imposanteste Massiv Orpierres, bietet an seiner Westseite einen Abenteuerspielplatz für hart Gesottene. Hier gibt es 7 schwere Touren von 6a bis 7c+ mit bis zu sechs Seillängen. Die Absicherung ist hier teilweise selbst zu bewerkstelligen.


    Querung am Piliers de l`Ascle
    Querung am Piliers de l`Ascle

    Auf der Süd-Ost Seite findet man neben ein paar schönen Einseillängentouren, viele Zwei- und Dreiseillängentouren (meist im 6ten Franzosengrad). Außerdem starten von hier 4 sehr schöne Touren bis max. 6a mit bis zu 7 Seillängen. Die 150m Höhe sind aber das einzige was an alpines Terrain erinnert, denn die Absicherung ist wie im Sportklettergarten und macht Keile, Freunde und sonstige mobile Sicherungsmittel unnötig. Bis zu 16 Expressen kann man in den langen Seillängen unterbringen, sofern man so viele überhaupt besitzt.

  4. Quatre Heures
    Dieser Sektor, nochmals unterteilt in Ost- und Westteil, bietet ca. 60 Touren. Etwa 13 davon sind Zweilängentouren. Reibungskletterei überwiegt hier. Insgesamt gibt es in diesem Sektor wahrscheinlich die meisten Touren im 3ten und 4ten Franzosengrad, aber auch im 5ten Grad kann man sich tummeln. Im sechsten Grad wird es schon weniger, aber deswegen nicht uninteressant.
  5. Piliers de l`Ascle
    Diese zwei Pfeiler, welche über dem Sektor Quatre Heures liegen, bieten schöne Zwei- bis Vierseillängentouren von 5a+ bis 6c.
  6. Adrech
    Die Wand des Adrechs bietet bis zu 150m Höhe und ca. 10, wiederum sehr schöne, Mehrseillängentouren (bis 6 SL) mit Seillängen im 5ten und 6ten französischen Grad.

  7. Les Blaches

    Adrech
    Adrech
  8. Wiederum unterteilt in die Teilsektoren Piliers de la lumière, Secteur de l`ombre und Les grandes blaches, bietet dieser Sektor viele Touren im 6ten Franzosengrad. Der Teilsektor Secteur de l`ombre bietet bis zu 3 SL meist im 4ten und 5ten franz. Grad. Im Teilsektor Les grandes blaches wurden in den letzten beiden Jahren viele Touren im 7ten Grad erschlossen.

Material:

Mobile Sicherungsgeräte benötigt man max. für die Westseite des Quiquillon. Alle anderen Touren sind bestens abgesichert. 14 Expressschlingen sollte man haben, teilweise sind sogar noch mehr unterzubringen. Ein Seil von 60m Länge ist ausreichend für den Großteil der Routen, 70m aber wahrscheinlich bequemer, denn manche Touren sind sehr lang (Vorsicht beim Ablassen!)
Für die Mehrseillängentouren sind 60m Halbseile wahrscheinlich das effektivste (Abseilstrecke), aber auch mit einem 70m Einfachseil sollte man hinkommen.
Ein Helm ist vor allem für die Sektoren Quiquillon und Adrech zu empfehlen da hier öfters mal was von oben herabsegelt! Grade bei Wind und im Frühjahr ist Vorsicht geboten und man sollte sich nicht unnötig im Bereich des Wandfußes aufhalten (z.B.Mittagspause).

Beste Jahreszeit:

In Orpierre lässt sich zu jeder Jahreszeit etwas zu klettern finden, dennoch wird es im Sommer sehr heiß. Beste Bedingungen sollte man im Frühjahr ab Ende März und im Herbst finden.

0 Gedanken zu „Klettern im Süden Frankreichs – Orpierre

  1. telebenni

    meine fresse! was für eine lyrik. du solltest bei Klettern mal anfragen, ob du auch für die schreiben kannst. nicht schlecht!!!
    an alle, absolut empfehlenswertes gebiet und von bert bestens beschrieben.