Tourenbericht Berner Oberland und Wallis

Monte Rosa Massiv, Wallis, Ausgangsort Zermatt (1620m)
Ludwigshöhe (4341m), Parrot-Spitze (4432m), Signalkuppe (4554m), Zumsteinspitze (4563m), Dufourspitze (4634m)

Bild 10Am darauf folgenden Ruhetag verlässt uns unser Bergfreund und wir drei Verbliebenen planen das nächste Ziel. Das Weisshorn besteigt in diesen Tagen immer noch kein Bergführer, da die Bedingungen noch zu schlecht sind. Selbst der Wirt der Weisshornhütte hat, nach Informationen des Campingplatzwarts, die Hütte schon in die Winterpause verlassen und wir entscheiden uns, besser auch die Finger davon zu lassen. Ein anderes Ziel muss her und so fassen wir das Monte Rosa Massiv ins Auge. Der Kletterführer wird studiert und gibt uns Auskunft über die zahlreichen Möglichkeiten welche dieses grandiose Massiv bietet.
Mit dem Hauptziel der Besteigung der Dufourspitze (4634m), welche, nach Mont Blanc und Mont Blanc de Courmayeur, den dritthöchsten Viertausender der Alpen darstellt, machen wir uns am 30.8.´04 mit dem Taxi von Randa nach Zermatt und auf den Weg in ein weiteres Bergabenteuer.
Bild 6In Zermatt (1610m) angekommen, schultern wir die wieder einmal schweren Rucksäcke und beginnen den langen Aufstieg zur Monte Rosa Hütte (2795m). Die Schwierigkeit hierbei liegt eher in der Bewältigung der doch großen horizontalen Distanz, als der rund 1200 Höhenmeter. Von Zermatt aus steigen wir über Wanderwege, über Riffelalp und Riffelberg zum Rotenboden (2815m) auf. Von hier aus geht´s, immer mit Blick auf das Monte Rosa Massiv, parallel unterhalb des Gornergrats bzw. oberhalb des Gornergletschers, Richtung Hütte. Um zur Hütte selbst zu gelangen, müssen wir aber nochmals absteigen, und zwar auf den Gornergletscher. Diesen überqueren wir, uns immer an den dort aufgestellten Markierungsfahnen haltend, und kommen auf den unteren Teil des Grenzgletschers, welcher hier mit dem Gornergletscher zusammenfließt. Den Grenzgletscher überqueren wir rund 30 Minuten und gelangen zu einem Felsaufschwung unterhalb der Hütte, welcher, durch eine Art Geländer abgesichert, leicht zu überwinden ist und erreichen nach, gesamt, ca. 5 Stunden, am späten Nachmittag die Hütte. Hier machen wir es uns gemütlich, essen später Abendbrot und legen uns früh schlafen.
Bild 14Am nächsten Morgen, also am 31.8., werden wir von der Hüttenwirtin schon um 2.30Uhr geweckt. Wir frühstücken und nach anfänglichen Bedenken aufgrund eines starken Hohlnebels, welcher sich später verziehen wird, machen wir uns auf den Weg. Nach langem Hin und Her, hatten wir uns entschieden, erst zur Signalkuppe (4554m) aufzusteigen, im Rifugio Regina Margherita, der höchsten Hütte Europas, zu übernachten und am darauf folgenden Tag die Dufourspitze von dort aus zu überschreiten. Wir steigen also anfangs über Moränen entlang dem Grenzgletscher auf und gehen dann, angeseilt, auf dem Grenzgletscher selbst durch die Nacht. Der Gletscher ist, zumindest im unteren Teil, stark aufgeapert und es empfiehlt sich, ihn möglichst weit links (in Aufstiegsrichtung) auf Seite der Monte Rosa Gruppe zu überqueren, da man sonst vor lauter Spalten auf der anderen Seite nicht vorankommen würde. Eine weitere nicht zu unterschätzende Gefahr stellen die mächtigen Hängegletscher hoch oben am Liskamm, welcher auf der rechten Seite des Gletschers, weit und steil in den Himmel empor ragt, dar. Sie werfen des Öfteren große Lawinen ab, wie auch in dieser Nacht. Wir sind gerade dabei unseren Rhythmus zu finden als es beginnt, laut und dumpf in die Vollmondnacht hinein zu donnern. Anfangs erschreckt und über das Geräusch verwundert, entdecken wir weit drüben, in sicherer Ferne, eine riesige, abgehende Schnee- und Eislawine. Mit atemberaubender Geschwindigkeit stürzt sie mehrere hunderte Meter in die Tiefe und wirbelt dabei eine monströse Schneewolke auf, welche sehr schnell den Mond verdeckt und uns in einer ziemlich gruseligen Atmosphäre, ganz klein geworden, in völliger Dunkelheit, auf dem Gletscher stehen lässt. Wahnsinn, so etwas live erleben zu dürfen.
Wir fangen uns langsam wieder und werden uns, einmal mehr, den großen, objektiven Gefahren des Alpinen Bergsteigens bewusst.
Bild 30Nachdem wir etwa die Hälfte des Gletschers hinaufgestiegen sind machen wir eine Pause zum Trinken und Essen. Es weht ein scharfer Wind und uns wird rasch kalt, denn die warmen Sonnenstrahlen werden noch durch das Monte Rosa Massiv verdeckt. Nur Bewegung hilft, also geht´s weiter. Aus dem Gletschertal schauen wir immer wieder hinauf doch der Weg ist noch weit. Nachdem wir etliche Spalten umgangen, teilweise übersprungen haben, kommen wir in spaltenärmeres Gelände und stapfen den ersten Sonnenstrahlen entgegen. Es ist erst 8Uhr, doch wir sind schon ziemlich geschafft. Trotzdem sind wir noch voller Tatendrang. Als wir endlich vom Grenzgletscher steigen und die ganzen „kleinen“ Gipfel um uns herum erblicken fangen wir schnell wieder Feuer. Ist man einmal hier oben, so ergeben sich etliche Möglichkeiten. Alle Gipfel um uns herum sind relativ schnell zu ersteigen, obwohl sie alle deutlich über 4000m hoch sind. Los geht´s mit der Ludwigshöhe. Wir hinterlassen unsere Rucksäcke in einer vorher gegrabenen Mulde und steigen in nur 20min auf diese erste „kleine Erhebung“ (4341m). Vom Gipfel aus sehen wir die Parrot-Spitze. Also, Abstieg, Rucksäcke wieder aufgesetzt und in wenigen Minuten rüber zum „Einstieg“. Nach weiteren 45 Minuten stehen wir auch auf ihrem Gipfel (4432m) und genießen die atemberaubende Aussicht auf alle uns umgebenden Gipfel. Die Wolken liegen wie ein Meer unter uns. Von hier aus sehen wir auch die Signalkuppe und die auf ihr erbaute Hütte. Sie steht direkt an der Abbruchkante über der gigantischen Monte Rosa Ostwand. Hoffentlich bleibt sie da heute Nacht auch noch stehen denke ich mir…
Wir setzen unsere Überschreitung der Parrot-Spitze fort und gelangen schon bald an die ausgetretene Spur, welche zu unserer Herberge für die kommende Nacht führt. Die letzten Meter sind kraftraubend, doch pünktlich zum Mittag, um 12Uhr, kommen wir an der Hütte auf der Signalkuppe, in 4554m Höhe an, und besteigen somit den dritten Viertausender an diesem, noch jungen, Tag.
Bild 19An der Hütte heißt es erst mal Luftanhalten und schnell über den wahnsinnig ausgesetzten Balkon, direkt über der Monte Rosa O-Wand, ins Warme. In der Hütte wundern wir uns zunächst wo das „Schwizer Dütsch“ bleibt, aber kriegen dann schnell mit, dass wir uns hier schon in Italien befinden. Es ist also möglich in Euro zu bezahlen, Schweizer Franken gehen aber auch. Die Hütte ist komfortabel und es empfiehlt sich sehr viel zu trinken, denn die Höhe trocknet einen regelrecht aus. Auf Bier und andere Leckereien dieser Art sollte man verzichten denn dem Körper tut man damit keinen Gefallen, man wird davon schneller Höhenkrank, so wie auch einige Leute die diese Nacht hier verbringen. Zugegeben hat das natürlich Keiner und so wird eben noch n Glas Wein runtergeschüttet um die Kopfschmerzen zu „betäuben“!
Nach gigantischem Sonnenuntergang, Abendbrot und gemütlichem Beisammensein hauen wir uns aufs Ohr, doch trotz Enthaltsamkeit, reichlich Flüssigem und guten Akklimatisationstouren schlafe ich nicht sonderlich gut.
Am nächsten Morgen jedoch fühle ich mich, genau wie meine zwei Kameraden, fit und so nehmen wir die letzte Etappe in Angriff. Da wir uns am Vortag schon hier hoch bemüht haben, können wir uns Zeit lassen und beginnen so erst gegen 7.00Uhr, und zwar mit dem Abstieg von der Signalkuppe. Nach nur 10min Abstieg, stapft man hinüber zur Zumsteinspitze und ersteigt diese (4563m) in relativ kurzer Zeit. Schön ist es hier und so geben wir uns schon nach rund 45min Tour die Hände, um uns das erste Mal an diesem Tag Bergheil zu wünschen.
Weiter geht es nun über einen schmalen, steil abfallenden Grat runter zum Grenzsattel und auf der anderen Seite über den Süd-Ost-Grat hinauf auf die Dufourspitze (4633m). Diese Tour wird mit ZS/III bewertet und fordert, bei guten Bedingungen, schöne Kletterei mit ein, zwei Dreier Stellen. Aufgrund der sehr guten Wetterverhältnisse konnten wir teilweise sogar ohne Steigeisen klettern.
Bild 4Am Gipfel sind wir über das wahnsinnig gute Wetter erfreut und bleiben so eine ganze Weile sitzen, machen Fotos und genießen die herrliche Bergwelt.
Nach ausgiebiger Pause klettern wir am Gipfelgrat entlang Richtung Normalweg und steigen über den Monte Rosa Gletscher in ca. 2½ Stunden zur Monte Rosa Hütte ab. Hier halten wir uns gar nicht erst auf, sondern steigen gleich weiter ab, wiederum auf den unteren Teil des Grenzgletschers, weiter über den Gornergletscher zurück zum Rotenboden und ins Tal nach Zermatt, wo uns ein Taxi aufsammelt und nach Randa zum Zeltplatz kutschiert.
Nach dieser wirklich gigantischen Tour sind wir zwar ziemlich geschafft, aber zwei, drei Bierchen haben wir uns dann doch verdient und so endet eine traumhafte Tourenwoche mit einem sehr gemütlichen Abend.

Quellen:

www.4000er.de – Hier findet ihr viele Informationen über alle Viertausender, einschließlich Kletterführer über sämtliche Gebiete

Wenn ihr weitere Fragen zu den Touren hab, dann mailt mir (robert.heldt@gmx.de) einfach! Ich hoffe ich werde euch helfen können!

0 Gedanken zu „Tourenbericht Berner Oberland und Wallis