{"id":189,"date":"2008-05-10T15:14:24","date_gmt":"2008-05-10T13:14:24","guid":{"rendered":"http:\/\/kvfl.com\/aiguille-verte-the-neverending-story\/189\/"},"modified":"2008-05-10T15:14:24","modified_gmt":"2008-05-10T13:14:24","slug":"aiguille-verte-the-neverending-story","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kvfl.com\/blog\/aiguille-verte-the-neverending-story\/189\/","title":{"rendered":"Aiguille Verte &#8211; The Neverending Story"},"content":{"rendered":"<p class=\"autor\">Autor: Frank, Bilder: Matze<\/p>\n<p>Das Fr\u00fchjahr war durch W\u00e4rme und lange Routen in bestem Fels gepr\u00e4gt &#8211; Marokko war das Ziel f\u00fcr drei Wochen. Aber darum soll es hier nicht gehen, denn die F\u00e4higkeiten des menschlichen K\u00f6rpers lassen sich ebenso in unweiter Entfernung in k\u00fcrzer Zeit erkunden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kvfl.com\/bilder\/verte\/0.jpg\" title=\"{AiguilleVerte} Die Route aus der Entferung\"><img decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/kvfl.com\/bilder\/verte\/0-2.jpg\" alt=\"Die Wand\" \/><\/a><\/p>\n<p>Matze und ich nutzten die sch\u00f6nen Tage und wollten nochmal die Eisbeile in langen W\u00e4nden schwingen, das Material einsetzen und nicht nur in der heimischen Ablage einstauben lassen. In Chamonix angekommen machte uns die akute Lawinengefahr ein wenig Sorgen und die Verh\u00e4ltnisse lassen das Steigen in steilen W\u00e4nden nicht zu &#8211; somit vertagen wir die Hochtouren und legen die leichte Kleidung an. Sportklettern an den Felsen von Chamonix ist angesagt. Anfangs schon etwas absurd; Sportklettern im Schatten der Klassiker und deren wunderbaren W\u00e4nde und Gipfel. Wir lassen uns nicht st\u00f6ren, genie\u00dfen die Aussicht beim Klettern und toben uns ein wenig aus. Das Wetter l\u00e4dt zu Kaffee, Relaxan und Klettern ein. Die Sonnenstrahlen w\u00e4rmen uns nicht nur, sie lassen uns auch ein wenig das wei\u00dfe Kleid des deutschen B\u00fcroangestellten ablegen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNach zwei Tagen der Akklimatisierung \ud83d\ude09 beim Sportklettern wollen wir dann aber doch los. Die Vorbereitungen sind getroffen und mit leichten Gep\u00e4ck steigen wir \u00fcber den Agenti\u00e8re-Gletscher weiter zur H\u00fctte mit gleichem Namen auf. Das Wetter ist sch\u00f6n und die vielen M\u00f6glichkeiten berauben uns der Sinne. Hier wurde unter anderem Geschichte geschrieben. Mehrfach entdecke ich Routen, die ich aus vielen B\u00fcchern und Artikeln kenne &#8211; nun soll ich sie also einmal selbst erkennen. Scheinbar muss ich also doch nicht durch die Welt reisen zum bergsteigen, warum ist mir das nie aufgefallen. Die Westalpen laden ein und die schlechten Bedingungen wollen wir uns nicht annehmen &#8211; irgendwas wird schon gehen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kvfl.com\/bilder\/verte\/1.jpg\" title=\"{AiguilleVerte} Unterwegs im unteren Wandteil\"><img decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/kvfl.com\/bilder\/verte\/1-2.jpg\" alt=\"Unterwegs im unteren Wandteil\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nach Rundumanalyse und vielen tollen Touren kommen wir doch wieder zur Ursprungsidee zur\u00fcck &#8211; die Nordwand der Aiguille Verte. Das Couloir Courturier soll es sein &#8211; 1000 Meter Wand, viel Eis und Schnee und immer eine gro\u00dfe Portion Luft unter dem Hintern. <q>Auf der Verte wird man zum richtigen Alpinist.<\/q>So das Urteil von <cite>R\u00e8buffat<\/cite> \u00fcber den Gipfel. Auch liegen mir die lobenden und harten Worte von Vanis in den Ohren. Nun wollen wir uns von all den Geschichten selbst \u00fcberzeugen. Die Routen wollen wir von der H\u00fctte aus angehen, gegen 9 Uhr auf dem Gipfel und nach \u00dcberschreitung des Gipfel der direkte Abstieg \u00fcber das Whymper Couloir auf die andere Seite. Von dort k\u00f6nnen wir dann Berge wie Grandes Jorasses mit dem Leichentuch sehen und weiter in den wundersch\u00f6nen Westalpen stapfen.<\/p>\n<p>Zum Abschluss noch einmal den H\u00fcttenwirt befragen und den Tipp anfangen, am besten ihr startet gleich jetzt &#8211; die Bedingungen sind sehr hart. Wir entschlie\u00dfen uns trotzdem zu warten, 0:11 Uhr wird der Wecker klingen und 1:00 Uhr wollen wir starten. Gesagt getan, gegen 21:00 Uhr liegen wir im Lager und schon 23:45 Uhr hei\u00dft es aufstehen, denn mit uns wollen zwei Tschechen die Tour klettern. Also raus aus dem Lager und rein in die Klamotten. Es ist nicht sonderlich kalt und wir sind zugig bereit. Die Tour kann beginnen.<\/p>\n<p>Selbst die K\u00e4lte der Nacht reicht nicht aus um den Schnee zu h\u00e4rten und wir sinken immer wieder ein &#8211; das Spuren zum \u00fcber den Gletscher und hinauf zum Bergschrund ist m\u00fchsam. Wir gehen konstant und wollen nicht ins Schwitzen kommen. Die Schneeschuhe lassen wir aber am Rucksack und hoffen auf Erh\u00e4rtung mit zunehmender H\u00f6he. Den Einstieg der 1000m Wand nehmen wir direkt im Anschluss und klettern leicht versetzt die Wand. Noch ist alles bestens und wir kommen gut voran. Links von uns beiden sind die beiden Tschechen unterwegs, anfangs schneller unterwegs, da sie mit Kurzski im Zustieg unterwegs waren, sehen wir sie dann doch immer wieder und k\u00f6nnen auch in den oberen Seill\u00e4ngen gar kommunizieren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kvfl.com\/bilder\/verte\/2.jpg\" title=\"{AiguilleVerte} Unterwegs im mittleren Wandteil\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" g src=\"https:\/\/kvfl.com\/bilder\/verte\/2-2.jpg\" alt=\"Unterwegs im mittleren Wandteil\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Eisfeld erreichen wir beide noch Solo und packen nun hier, noch vor Sonnenaufgang, die Seile aus. Matze \u00fcbernimmt den Vorstieg und geht das harte Eis an. Ab nun heist es steig in der Wechself\u00fchrung zu bleiben und die 60m des Halbseils m\u00f6glichst auszugehen. Nach einer ganzen Anzahl von Seill\u00e4ngen zeigen sich schon die ersten Erm\u00fcdungserscheinungen in den Waden. Die Muskelberge am Unterschenkel werden nicht st\u00e4rker, nur h\u00e4rter. Jede M\u00f6glichkeit des anders Stehen wird genutzt. Trotzdem geht es immer gut voran. Die Sonne begleitet uns nun schon eine Weile und die Bedienungen werden nicht besser. Der Gipfel ist immer in Sicht und die Hoffnung auf baldige Erl\u00f6sung scheint einfach nicht zu kommen. Die Tschechen treffen es auf den Punkt, nach ca. 2\/3 der Wand meinen sie zu uns: <q>The Neverending Story<\/q>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kvfl.com\/bilder\/verte\/7.jpg\" title=\"{AiguilleVerte} Leichtes Gel\u00e4nde entlastet die Waden\"><img decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/kvfl.com\/bilder\/verte\/7-2.jpg\" alt=\"Leichtes Gel\u00e4nde\" \/><\/a><\/p>\n<p>Seill\u00e4nge f\u00fcr Seill\u00e4nge k\u00e4mpfen wir uns nach oben. Das Ziel gegen 9:00 Uhr zu erreichen haben wir l\u00e4ngst aufgegeben und die Hoffnung auf den Nachmittag, ca. 16:00 Uhr scheint auch nicht zu klappen. Eh ich nun aber den Leser mit Echtzeiterlebnissen langweile &#8211; The Neverending Story!<\/p>\n<p>Zwischenzeitlich haben wir Halluzinationen und der K\u00f6rper k\u00e4mpft. Die M\u00fcsliriegel und 2l Wasser pro Person erscheinen immer knapper bemessen. Trotzdem bleiben wir eisern. Selten habe ich im Vorstieg den Kletterer alle 4 Schl\u00e4ge sichern m\u00fcssen. Eisbeile setzen, Seile dr\u00fcber legen und Zu! Nun muss man erst mal die Beine aus dem Eis nehmen, h\u00e4ngen an den Beilen. Das Vertrauen in Eisschrauben ist in mir in alle Ewigkeit gewachsen. Alles h\u00e4ngt an einer Schraube und wir mache kaum Zwischensicherungen. Die 60m ausgehen &#8211; Stand, wenn m\u00f6glich, einholen und Wechsel der F\u00fchrung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kvfl.com\/bilder\/verte\/4.jpg\" title=\"{AiguilleVerte} Geschafft, aber oben\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/kvfl.com\/bilder\/verte\/4-2.jpg\" alt=\"Am Gipfel\" \/><\/a><\/p>\n<p>Um es kurz zu machen, gegen 19:00 Uhr erreichen wir den Gipfel. Wir waren noch nie so am Ende und nun m\u00fcssen wir die gleiche Strecke, vom Umfang, runter. Die \u00dcberschreitung des Gipfel und dessen Grat zum Col ist an sich schon sehr spektakul\u00e4r und heikel. Wir haben daf\u00fcr keine Zeit und wollen nur zum Col. Von dort soll man das Couloir abseilen k\u00f6nnen. Wir finden die Schlingen und mache uns an die Arbeit. Auch diese Aufgabe ist nicht leicht. Immer wieder muss man nach den Schlingen im Wirrwar aus Fels und Eis suchen. Stunde um Stunde seilen wir nun ab und mittlerweile sind wir mit Stirnlampe unterwegs. Dies macht das Abseilen in ungewissen Gel\u00e4nde nicht einfacher und die Zeit l\u00e4uft. Trotzdem, gegen 0:00 Uhr stehen wir auf der anderen Seite des Bergschrund auf dem Gletscher, in v\u00f6lliger Dunkelheit. Unsere Biwakausr\u00fcstung soll nicht zum Einsatz kommen und so legen wir die Schneeschuhe an und mache uns auf den Weg. Die 24h haben wir bisher voll und noch immer sehen wir kein Ende. Wir tr\u00e4umen von gro\u00dfen Apfelschorle und Nudelspeisen &#8211; aber nichts dergleichen ist in Sicht, nur Schnee und Fels.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kvfl.com\/bilder\/verte\/6.jpg\" title=\"{AiguilleVerte} Der Gipfelgrat der Verte\"><img decoding=\"async\" class=\"alignright\" g src=\"https:\/\/kvfl.com\/bilder\/verte\/6-2.jpg\" alt=\"Gipfelgrat der Verte\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mit M\u00fche und Ausdauer erreichen wir die gegen 2:30 die H\u00fctte, verschlossen. Am Ende, nicht mehr bereit in der Nacht nach Chamonix abzusteigen, will ich ein wenig schlafen und wir bauen nun doch eine Biwak. Trotz Zittern und Klappern, wir liegen auf je einem Halbseil und ich dar als erster den einzigen 1-Mann-Biwak-Sack nutzen (Das ist eine andere Geschichte) und so schlafe ich schnell ein. Matze geht es wohl nicht so und er weckt mich dann doch nach einiger Zeit; eine Biwakschachtel hat er gefunden und wenige Schluck Wasser hat er mir auch mitgebracht &#8211; wir mache uns sofort auf den Weg und schlafen dann schnell ein. Die H\u00fctte ist warm und vor 9 kann uns kein Ger\u00e4usch ersch\u00fcttern.<\/p>\n<p>Trotzdem sind wir nicht am Ende, ohne Essen und Trinken machen wir uns auf den Abstieg. Jeder Wasserrinne auf dem Gletscher wird genutzt und tats\u00e4chlich, wir erreichen die Zahnradbahn nach Chamonix. Wir nehmen die erste fahrende Bahn und lassen den Getr\u00e4nkest\u00fctzpunkt links liegen; die Preise sind so extrem, dass wir meinen, jetzt erst recht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kvfl.com\/bilder\/verte\/3.jpg\" title=\"{AiguilleVerte} Unterwegs im unteren Wandteil\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" g src=\"https:\/\/kvfl.com\/bilder\/verte\/3-2.jpg\" alt=\"Unterwegs im unteren Wandteil\" \/><\/a><\/p>\n<p>Also schaffen wir es noch bis in den Ort und \u00fcberfallen dort eine Bar. Die ertr\u00e4umten Nudeln und die zugeh\u00f6rige Schorle entsch\u00e4digen uns &#8211; 26h und ein weiterer Tag f\u00fcr unsere &#8222;Eingehtour&#8220;. Im Nachhinein ist wieder alles super und wir planen die n\u00e4chste Tour zusammen. Wie oft haben wir in der Wand gesagt: Nie wieder Nordw\u00e4nde, Sportklettern ist toll. Aber trotzdem, das Erlebnis kann kaum intensiver sein und sicher war es nicht die letzte gemeinsame Tour zweier Bergliebhaber.<\/p>\n<p>Eine Tour geht zu Ende &#8211; viele Eindr\u00fccke und Restwehen bleiben. Ich habe es genossen, auch wenn meine F\u00fc\u00dfe seit dem nur Barfu\u00df klar kommen und einige Muskelgruppen sogar das Klettern am heimischen Fels verweigern &#8211; die Auszeit genie\u00dft die Familie.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.stochejle.cz\/1205-ledove-strane-v-chamonix-304-952008\">Bilder und Eindr\u00fccke der Seilschaft aus Tschechien<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/klebon.ic.cz\/chamonix08\/\">Photos aus der Wand<\/a><\/li\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Frank, Bilder: Matze Das Fr\u00fchjahr war durch W\u00e4rme und lange Routen in bestem Fels gepr\u00e4gt &#8211; Marokko war das Ziel f\u00fcr drei Wochen. 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