Kasachstan/Kirgistan und weiter in das Tien Shan zum Khan Tengri

Reisebericht

Das TeamTien Shan – ein wunderbar fremdländisches Wort, mit dem ich bisher nichts zutun hatte, das sollte sich bald ändern. Nachdem Danny mich also für diese Tour begeistert hatte, was wohl in allem 20 Sekunden dauerte, machte wir uns an die Arbeit. Das ganze sollte von uns allein auf die Beine gestellt werden, keine Agentur und kein Bergführer, der uns auf den Gipfel zieht. Ansonsten wollten wir alles im Alpinestil klettern. Bei den Vorbereitungen kamen uns viele Leute zu Hilfe, die noch aus Zeiten der DDR Kontakt hatten, bzw. dort waren. Besonders half uns aber trotzdem das Internet, wodurch ich Kontakt mit MARAT AINSANOV aufnehmen konnte. Ein Mann, wie sich herausstellte, der sich bestens in diesem Gebiet auskannte. Er half uns die Formalitäten, die alleine für die Einreise nötig waren zu besorgen und organisierte letztendlich die Anreise ins Basislager. Ohne die einschlägigen Kenntnisse von Marat wäre uns die ganze Tour um das doppelte teurer gekommen. Hier im Land zählte nur der harte Doller und die Erfahrungen, ihn richtig zu dosieren. Ansonsten ist man schon Pleite, ohne im Basislager angekommen zu sein.

Karte1Aber nun von Anfang an: unsere Tour begann in Almaty, der Hauptstadt Kasachstans, wo wir landeten. Hier wurden wir erst mal vier Stunden auf dem Flughafen festgehalten, um Formalitäten zu klären. Von hier aus ging es über viele Umwege bis nach Karakol in Kirgistan, wo wir alle Lebensmittel für unsere kleine Expedition einkauften. Auf dem Absar kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus, riesig gross und für uns Konsumgüter-Verwöhnten Deutschen ein Augenschmaus der Vielfalt an Produkten, von Lebensmitteln in jeder Form zu Auto- und Motorenteilen, weiter über den Geflügelstand, und und und…
Trainning im BasecampAb hier war an ein weiterkommen mit „normalen“ PKW nicht mehr zu denken, deshalb ging es für uns mit einem geländegängigen LKW weiter. Der leider nach wenigen Kilometern den Geist aufgab. Also verbrachten wir die Nacht im Wagen und warteten auf ein neues Fahrzeug. Diese kommt natürlich nicht sofort auf Bestellung. Wieder wurden Beziehungen herhalten, wobei der Fahrer erst einmal zu Fuß in den nächsten Ort muss, einige Kilometer zurück. Am nächsten Morgen war aber dann unser Gefährt da und es konnte weiter gehen. Allerdings hatten wir auf Grund dieser Panne keine Akklimatisierungsphase, die eigentlich in der vergangenen Nacht bei einem Pass von 4000m stattfinden sollte. Das machte sich dann bald bemerkbar, denn im Zielort, wo unser Hubschrauber startete waren wir schon auf 3600m. Leichte Übelkeit begleitete mich ab hier die nächsten Tage. Von hier ging es also per Hubschrauber, der, nach meinem Empfinden, ganz schön überladen war. Nach einigen Anläufen konnte er dann aber doch abheben und wir flogen über den Inyltschekgletscher. Hier hatten wir wunderbare Ausblicke, wunderschöne Berge und Täler, Seracs und unser Basislager.
Hier angekommen, machten wir uns daran die Ausrüstung und die Lebensmittel zu unserem Lager zu bringen, was einige Meter vom Landeplatz des Hubschraubers weg war. Soja, unsere Köchin, kümmerte sich die ganze Zeit hinreisend um uns. Nach jeder Klettertour bekamen wir noch mehr und bessere Köstlichkeiten aus ihrem abwechslungsreichem und reichhaltigem Sortiment an Speisen. Dimitri, unser Begleiter der Reise, der die Formalitäten an Grenz und Kontrollstellen, sowie die Flugorganisation …, übernahm ab hier das ständige Ausbauen des Lagers.
In allem kann man nur sehr gutes über die Truppe vom Marat sagen!
Wir verbrachten unsere Zeit mit allem , was so anfiel, wenn wir nicht gerade beim Klettern waren. Dies möchte ich hier aber nicht ausdehnen, denn es gibt schon genügend Erzählungen von „Extremen“ und die waren Eindrücke kann ich hier sowieso nicht wiedergeben.
Aber allen, die hier Lust bekommen haben oder sich nur Tipps holen wollten, kann ich sagen, machen – unbedingt. Vor allem sollte man sich gut vorbereiten und den Berg nicht unterschätzen. Mehr Infos findet Ihr in den folgenden Abschnitten, die ich archiviert habe.

TopoDas Tien Shan Gebirge ist ein Ausläufer des Himalaya, wobei es noch zwei Gipfel über 7000m gibt, der Khan Tengri (7010m) und der Pik Popjeda (7439). Unser Ziel war der Khan Tengri, ein wunderschöner Gipfel in Pyramidenform aus weißem und rotem Marmor. Das Gebirge erstreckt sich über ein Länge von etwa 1500 km, trotzdem liegen die beiden höchsten Gipfel nah beieinander. Natürlich gibt es noch andere schöne Gipfel in diesem Gebiet, es wimmelt nahezu von Pyramiden aus Schnee und Eis. Leider gibt es über das Gebiet recht wenig Informationen, so das ich darüber erst vor Ort davon erfuhr. Einen der schöneren Berge, der Pik Gorki haben wir als Akklimationstour gemacht, wobei wir hinterher erfuhren, dass er einer der schwereren Berge ist. Allerdings haben wir das auch nach einem Tag harter Arbeit und einem Notabstieg in der Nacht durch eine Firn- Eisrinne gespürt.
Ansonsten war der Trip in die östlichen Weiten ein wunderbares Erlebnis, von Land und Menschen wurden wir immer willkommen. Allein die Weite der Länder Kasachstan und Kirgistan zu erleben ist schon atemberaubend.

Orthographie

Zentralasien ist ein Gebiet mit hohen Bergketten und Plateau s, welche im sogenannten Pamirknoten gipfeln. Von hier erstrecken sich gewaltige Gebirgskämme zum Himalaya und Karakorum im Südosten, dem Tien Shan und Kun Lun Gebirge im Osten, sowie dem Hindukush im Süden. Das Pamirgebirge ist das zweitgrößte Gebirgssystem der Erde, welches nach wie vor jedes Jahr um 6 cm an Höhe gewinnt. Im Gegensatz zu den Alpen befinden sich hier alle Gletscher auf dem Vormarsch. Allein im Tien Shan Gebirge hat man mehr als 8000 Gletscher registriert.

Klima

Im Tien Shan Gebirge herrscht streng kontinentales Klima. Eiskalte Winter mit wenig Niederschlag und bis zu -60 Grad C, stehen trockene, heiße Sommer gegenüber. Trotzdem ist im Zentral Tienshan auch im Sommer mit Schneefall zu rechnen. Die Hauptniederschlagsmenge fällt im Frühjahr.

Gletscher

Die Schneegrenze ist im Tien Shan um mindestens 1000m höher als in den Alpen. Der Südinyltschekgletscher ist ein mächtiger Eisstrom, dem Baltoro im Karakorum vergleichbar.

Bergsteigen im Tien Shan Gebirge

Karte 2Das Zentral Tien Shan Gebirge war lange Zeit ein weißer Fleck auf der Landkarte der Reisenden Bedingt durch seine geopolitische Lage war es bis vor wenigen Jahren für Westbergsteiger überhaupt unmöglich dieses Gebiet zu bereisen. Generell muss gesagt werden, daß Bergunternehmungen hier um einiges schwieriger sind ,als z.B. im Pamir. Eiskalte Stürme und damit verbundene Schneeverfrachtungen bedeuten eine große Gefahr für alle Unternehmungen. Auch im Sommer ist oft mit kurzen Schneefällen zu rechnen.
Die Anreise ins Tien Shangebiet ist einfach: Als Ausgangspunkte bieten sich Almaty in Kasachstan oder Bishkek in Kirgistan an Beide Städte haben internationale Flugverbindungen. Innerhalb einer Tagesreise hat man das Gebiet des Zentralen Shan erreicht.
Den Südinyltschekgletscher erreicht man am besten über das Zwischencamp Madia Adir, welches in 2.500m liegt. Hier gibt es die Möglichkeit sich von den Anreisestrapazen zu erholen, sowie sich zu akklimatisieren. Die nächste Etappe ins Hauptlager zwischen Khan Tengri und Pik Pobjeda wird mit dem Helikopter bewältigt. Flugzeit etwa 40mm. Allein schon wegen dieses Fluges, vorbei an bizarren Berglandschaften über den zerklüfteten Südinyltschekgletscher lohnt eine Reise in dieses Gebiet.
Das Basislager besteht aus einer Ansammlung von Zelten für die Unterkunft, sowie Speisezelt und Küchenzelt. Hier befindet sich die komplette Infrastruktur für einen längeren Aufenthalt über 4.000m- Luxus ist jedoch keiner zu erwarten. Entschädigung für alle Entbehrungen ist der großartige Ausblick auf Pik Pobjeda, sowie die umgebenden 5 und 6000er.

Routenbeschreibung des Normalweges auf den Khan Tengri

TopoBezüglich der Höhe gibt es Streit zwischen Kirgisen und Kasachen- 6.995m oder 7.010m. Die Höhe des Berges sollte jedoch sekundär sein-entscheidend ist die atemberaubende Schönheit dieser Pyramide, welche im obersten Teil aus weißem Marmor besteht.
Vom Basislager marschiert man entlang der Moräne zum Pik Gorky and weiter in der Mitte des Südinyltschekgletscher bis zum Zusammenfluss mit dem Semenovskygletscher. In der Mitte des Gletschers befinden sich weniger Spalten, als am Rand. Beim Zusammenfluss beider Gletscher Lager 1 bei der Moräne (2-4h). Vom Lager 1 geht es den Semenovsky Gletscher weiter aufwärts (15-20 Grad steil), nach Schneefällen Lawinengefahr. Achtung auch auf Eisschläge vom Pik Chapaev im oberen Teil des Anstiegs. Gefährlichste Zeit zwischen 10-14 Uhr. Beste Zeit um Lager 1 zu verlassen 3-4 Uhr morgens. Der obere Teil des Semenovski Gletscher ist von vielen Spalten zerrissen. Durchschnittliche Steilheit 25-40 Grad. Das letzte Stück geht es durch eine flache Mulde , Möglichkeit Lager 2 Zelt-besser Schneehöhle (9-12 Stunden)
Hinauf in den Sattel und weiter den Westgrad- Schnee mit einzelnen Felspassagen. Möglichkeiten zu biwakieren bis zu einer Höhe von etwa 6.200m Nun beginnt der Felsgrad, 45-55 Grad steil mit Kletterpassagen 3-4.Grad bis zu einer Höhe von 6 650m, anschließend ein 150 m hoher Aufschwung- Schwierigkeit 4-5 f Fixseile von zweifelhafter) Qualität. Das letzte Stück kombinierter Fels-Eisgrad.

Verwendetes Material:

  • Karte und Zentral Tian Schan Kurzführer, Map & Guide, 1:150000, EWP, AHulfryn; Cilycwm, Llandovery; SA20 0SP, UK. (Bezug über Buchhnandel oder DAV)
  • Verschiedene Infos vom DAV -Expeditionen
  • Marat Ainsanov, „ILI“ Travel Agency, ili@mail.ru, Tel: 73272 65-76-34
  • Lonely Planet „Central Asia“ ISBN 0-86442-673-9

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