Klettern am Gardasee

Colodri„Ich weiß noch ganz genau, als ich das erste Bonbon von meinem Großvater bekam.“ Ohne den Bezug zu verlieren, aber ähnlich war es auf meiner ersten Reise zu den Wänden des Sarca Tales. Der „Alterspräsident“ des KVFL Bernd – hatte mich damals in das Klettern und Genießen in der Nähe des Gardasees eingeführt und ich lernte die Vorzüge von mediterranem Klima und die Vielzahl an Möglichkeiten zum Klettern kennen. Ob als Einsteiger die Schleicher um Baone und Sonnenplatten oder für die Meister des vertikalen Turnens, die weit überhängenden Routen in Massone, genauso wie die alpinen Klassiker in der Colodri, Rupe Secca und Cima alle Coste oder einen der vielen wunderschönen Klettersteige.

Mittlerweile ist das Gebiet um Arco immer für einen Trip gut und es sind diverse Tage und Wochen zusammen gekommen, die man dort verweilt. Aber noch immer ist es wie beim ersten mal, sobald man die monotone Autobahnfahrt an der Ausfahrt Trento Cento beendet hat, biegt man in die schöne Landschaft des Sarca Tales und die Fahrt ist vergessen. Ab nun ist man gefesselt von den vielen Kalkwänden, dem vielen Grün und dem angenehmen Klima. Meist halte ich dann am ersten See und mache Picknick, die Eindrücke genießen und abspannen, bevor es dann an die ersten Routen geht oder eine der vielen gemütlichen Rusticos aufgesucht werden um Pizza und Bier zu bestellen. Abends findet man dann meist etwas Livemusik und eine schöne Sitzgelegenheit inmitten des Lebens oder weit über der Stadt und genießt den Ausblick wie ich das in Deutschland vermisse.

So viel zur Vorgeschichte und dem Lob auf ein Gebiet, was auch im Zeitalter des Massentourismus noch immer eine Reise wert ist.

Für den Einsteiger

ColodriAm besten eignet sich Baone kompakte, geneigte Platten mit Dellen und Leisten und wunderbaren Reibungspassagen. Ein Stück über der Stadt, mit einer spannenden Anfahrt ist das Gebiet ein Tipp für den Anfänger.
Ebenso eigne sich die Sonnenplatten, z.B „Via Rita 4 auf 14 Seillängen, sehr wenige Routen von Massone die extra für Einsteiger einen engen Bohrhakenabstand haben und somit bestens für den ersten Vorstieg geeignet sind. Außerdem kann man wunderbar in Nago klettern, hier fühlen sich auch die Kinder wohl, da man viel Platz hat..

Mit Kindern klettern

KletersteigAuch dafür gibt es schöne Orte, an denen man den Nachwuchs nicht anbinden muss. Dafür eignet sich Massone, allerdings können die Kleinen hier nichts versuchen. Um auch die Kinder ein wenig an den Fels zu führen, eignet sich Baone und Nago.

Wenn es regnet

Für die Kletterer, die auch bei Regen nicht genug bekommen und ein gewisses Niveau mitbringen, gibt es einige Tipps, bei denen die Wände derart überhängen, dass man sie auch bei Feuchtigkeit von oben machen kann. Ziel ist dann Massone – der rechte Sektor, Gola di Toblino hier ist eine Höhle, Eremo und Terra Promessa.

Kletterführer:

  • arco Band 1 Klettern vom Gardasee bis zur Brenta, in Deutsch erhältlich, ISBN3-928026-25-9
  • Arco, dreisprachig de, it, en

Für den Alpinist

Auch der Kletterer, der seine Sicherungen selbst anbringt und vor allem wieder mitnimmt, der findet hier eine Unmenge an außergewöhnlich schönen Routen.
Zuerst fallen mir da natürlich die Routen der Colodri ein, die mitten im Ort ständig von Zuschauern belauert werden. Wer auf dem Zeltplatz „Camping in Arco“ (etwas teurer, dafür mit Boulderhalle und Schwimmbad) oder „Zoo“ in Arco übernachtet, der wird seine Augen nur selten von dieser Wand richten. Besondere Augenschmaus ist „White Crack“, „Renata Rossi“, „Samadossi“ und „Barbara“.
Weiter Wände sind Cima Brento hoch über den Sonnenplatten gilt sie als die Wand im Sarcetal, Cima Alle Coste die erste Begehung der Wand stammt von Reinhold Messner, Heini Holzer und Heinz Steinkötter. Ein ebenso schönes wie anspruchvolles Ziel ist Pilastro Giusti, die mit ihren 1200m Wandhöhe besonders imposant ist. Hier sind die äußerst Anspruchsvoll.

Kletterführer:

  • Alpinismus im Olivengarten, zweisprachig de, it, ISBN 88-8060-401-5
  • arco Band 2 Klettern vom Gardasee bis zur Brenta, in Deutsch erhältlich, ISBN [in Vorbereitung, kommt 2007]

Am Stahlseil Klettersteige

Ferrata Rio SallagoniAuch für die Freunde des Klettersteigens gibt es genügend zu tun. Als schöne Tour an besonders warmen Tagen ist „Ferrata Rio Sallagoni“ in der Nähe von Dro. Dieser kurze Steig führt durch eine Klamm ist dort angenehm Kühl. Ein weiters Highlight stellt „Che Guevara“ am Monte Casale dar. Unterhlb der Wand klaubt man noch nicht, dass man durch eine derartige Wand einen Klettersteig legen kann. Und für diejenigen, die es gern etwas schwerer haben möchten eignet sich „Mori“, der mittlerweile an den meisten Stellen sehr speckig ist und der Fels wirkt wie Marmor, trotzdem noch immer eine schöne Tour. Ebenso ist der „Rino pisetta“ zu empfehlen, der als der schwerste Steig im Gebiet gilt, denn hier gibt es keine Tritte und es ist nur ein Stahlseil zum Sichern da. Man bewegt sich im fünften Schwierigkeitsgrad. Hier wären normalerweise nur Kletterer unterwegs und so kann auch ein Nichtkletterer das vertikale Abenteuer in diesem Grad erleben.

Klettersteigführer:

Die schönsten Wanderungen

  • Sentiero dell’Anglone: Eine schöne Halbtagstour über dem unteren Sarcetal. Leicht gesicherte Passagen, Trittsicherheit erforderlich.
    Dro –> Coste dell’Anglone –> „Sentiero dell’Angloe“ –> Ceniga –> Dro (3 Stunden, Markierung 425, 428b, 428)
  • Lagi di Tenno: Dörferwanderung vorbei am schönsten See des Gebietes. Wasserfall Varone, Olivenhaine, Dorf Canale und Varone –> Cologna –> Tenno –> Canale –> Lagi di tenno (2 1/2 Stunden, den örtlichen Markierungen und Wegweisern folgen, Rückfahrt mit dem Bus
  • Valle del Singol (Bocca Vecchia): Große Tour über dem Singoital. Im Sommer kann es sehr heiß werden. Limone –> Cima di Mu-ghera –> Bocca del Fortini –> Bocca Veccia –> Limone (7 172 Stunden, Markierung 101, 421,0102)
  • Monte Castello: Das Bergkloster Madonna die Monte-castello ist wunderschön und es gibt eine kleine Runde über den „Schlossweg“ mitm herlicher Aussicht auf den Monte Baldo. Pr’abione –> Kloster –> Monte Castello –> Pr’abione (2 Stunden, Markierung 266)
  • Eromo del Santi Benigno e Caro:

Die schönsten Gipfel

  • Monte Cadria – 2254m: Der höchste Gipfel der Region mir einem grandiosen Ausblick. Trittsicherheit erforderlich. Valle del Molini –> Malga Vies –> Südgrat –> Monte Cadria (6 Stunden incl. Abstieg)
  • Corno – 1731m: Schöne Tour über dem Lago di Ledro. Trittsicherheit erforderlich. Al Sabioni (Zufahrt über Lago die Ledro) –> Corno –> „Sentiero Pellegrino“ –> Bocca Caset –> Ai Sabbioni (7 Stunden, Markierung 456, 456b)
  • Monte Pizzocolo – 1580m: Berühmt für Aussicht und Blumen. Sanico (Anfahrt von Toscolano) –> San Urbano –> Monte Pizzocolo (5 1/2 Stunden incl. Abstieg, Markierung 6, 23, 5)
  • Monte Altissimo – 2079m: Der Eckpfeiler des Monte Baldo bietet eine faszinierende Aussicht und einen der schönsten Aufstieg über Westabstürze. Trittsicherheit erforderlich. Prati di Nago –> Mandriole –> Val Cantone –> Monte Altissimo –> Prati di Nago (5 Stunden, Markierung 6, 8, 601)
  • Monte Stivo – 2059m: Großes Panorama, Passo Creino –> Rifugio Marchetti –> Monte Stivo –> Cima Basso –> Passo Bordala –> Passo Creino (4 1/2 Stunden, Markierung 608b, 608, 617b, 617, 623)

Die schönsten Klettersteige

  • Via attrezzata Monte Albano: Der Klassiker, sehr luftig und gut gesichert, viele polierte Stellen. Mori –> Madonna die Monte Albano –> Klettersteig, Abstieg über gesicherte Steigleinen (3 1/2 Stunden)
  • Sentierre attrezzato Gerado Sega: Ostflanke des Monte Baldo, schöne Führung, Anfahrt von Avio nach Ponte Aviana –> Preafassa Wasserfall –> Klettersteig –> Prati della Cola –> Madonna delle Neve –> Ponte Aviana (5 1/2 Stunden)
  • Via dell’Amicizia: Klettersteigklassiker über Riva mit sehr schönem Tiefblock auf Ort und See, lange Leitern, Riva del Garda –> Capanna Barbara –> Klettersteig –> Cima SAT –> „Senter dei Crazedel“ –> Riva del Garda (6 Stunden)
  • Via ferrata Che Guevara: Der größte und mächtigste Steig der Region, steiler Abstieg an Seilen. Pietramurata –> Klettersteig –> Monte Casale –> Buson –> Pietramurata (7 1/2 Stunden)
  • Via attrezzata Rino Pisetta: Der Ansprichsvollste im Gebiet, sehr luftig und kräftig. Sarche –> Klettersteig –> Dain Picol –> San Vigilio –> Sarche (5 Stunden)

0 Gedanken zu „Klettern am Gardasee

  1. Frank

    Hallo Frank,

    nachdem ich nun in unserem Bergurlaub mit viel Schnee und Eis zu tun hatte liest sich Euer Gardaseeurlaub richtig gut und macht wieder Lust auf Sportklettern in wärmeren Gefilden.
    Naja bis Oktober dauert es ja nun auch nicht mehr so lange?.

    Freut mich das Ihr ein paar schöne Tage hattet!Bis dann denn?

    Beste Grüße
    Frank

  2. Stefan

    Hallo Frank!
    Dein Bericht ruft Erinnerungen wach, die ich gleich mal loswerden muß.
    Kann den Zeltplatz in Pietramurata empfehlen. Im Sommer ist ein Schwimmbecken dabei. Preis war immer ca 10€ pro Person. Da man am Gardasee sowieso immer autofahren muß, kann man auch dahin.Ganz in der Nähe ist ein leichter, allerdings sehr langer und dadurch beeindruckender Klettersteig (der erwähnte Che Guevara Steig), durch die Hohlspiegelförmige Wand des Monte Casale, ca 1300hm, mit langem Rückweg, am besten zum ersten erreichbaren Ort und dort abholen lassen. Im Ort ist nix los, es gibt aber eine Pizzeria gegen Ortsausgang Richtung Arco auf der linken Straßenseite, die sehr zu empfehlen ist. Weiter gibt es über dem Ort 2 kleine Klettergebiete, Pietramurata und Camerete.
    Sonst gefielen mir besonders Nago wegen des Blickes, allerdings zu Ferien oder Feiertagen überlaufen und La Gola, ein Ziel für den Sommer, in einer Schlucht gelegen, nicht sehr groß aber mit schönen Wegen.
    Die Colodriwand ist schon beeindruckend, störend ist nur, daß man den Stadtlärm ständig im Hintergrund hat. Beim klettern kann man das ausblenden, aber am Stand stört es. Allerdings sind die Wege so schön, daß es wieder wett gemacht wird. Kann Somadossi(6a – nur eine Stelle, A0 kletterbar)‘ und ‚Katja(6b+, auch nur eine Stelle 0er bar) empfehlen. Die Schlüsselstellen sind sehr gut gesichert, allerdings kommen immer wieder längere Hand- und Schulterrißpassagen bis zum 6. Grad (uiaa), die sehr spärlich gesichert sind und für die größere Keile und Friends nötig waren, um mit Ruhe zu klettern. In der Somadossi ist der Weg recht klar, in der Katja ist die Orientierung im Mittelteil etwas schwierig, da brüchig und bewachsen. Die letzen 3 SL sind dann allerdings traumhafte, allerdings recht hakenfreie Risse. Der Rückzug aus der Katja könnte schwer werden, da die Route stetig rechts ansteigt und viele Querungen hat. Kann die Wege empfehlen, wenn man sicher im 6. grad klettert kommt man schon hoch und es ist etwas ganz anderes als die Routen in den Klettergärten.
    Hatte am Anfang einen nicht so guten Eindruck von der Region, durch die Weitläufigkeit ist man gezwungen, mit dem Auto zu fahren, alles wirkt zerstückelt, allerdings hat sich das gewandelt und stört nicht mehr. Man braucht eine Weile, mit dem Gebiet und seiner Schönheit vertraut zu werden, doch dann schätzt man die Vielfalt sehenswerter Ecken und Arco ist doch nie zu weit für einen Bummel, einen Kaffee nach dem Klettern im Cafe Trentino am Kirchplatz oder zum stöbern nach Preiswertem in den zahllosen Sportgeschäften.

    Viele Grüße
    Stefan

  3. Marcel

    Arco ist ein Gebiet für Spinner, die glauben, ein Teil irgendeiner Gemeinschaft von Spinnern zu sein. Der sechste Grad war vielleicht vor 40 Jahren schwer. Heute werden Touren wie Somadossi wöchentlich seilfrei begangen.